Im Handeln schließe ich mich der Schöpferkraft Gottes an

Da jedes Werk eine mehr oder weniger ferne und unmittelbare Rückwirkung auf die geistige Welt hat, trägt es dazu bei, Christus in seiner mystischen Ganzheit zu vollenden. …
Weil die Menschwerdung Christi fortdauert, durchdringt das Göttliche unsere geschöpflichen Kräfte so vollständig, dass wir keinen geeigneteren Bereich als unser eigenes Handeln finden könnten, um dem Göttlichen zu begegnen und es zu erfassen.
Im Handeln schließe ich mich der Schöpferkraft Gottes an. Ich falle mit ihr zusammen. Ich werde nicht bloß ihr Instrument, sondern ihre lebendige Verlängerung.

Gott ist nicht weit von uns

Gott lenkt unseren Blick nicht vorzeitig von der Arbeit ab, die er selbst uns auferlegt hat; im Gegenteil: Er ist ja in dieser Arbeit ertastbar. Nein, er lässt die Einzelheiten unserer irdischen Ziele in seinem starken Licht nicht verblassen; denn die Innigkeit unserer Vereinigung mit ihm hängt von der gewissenhaften Vollendung ab, die wir dem kleinsten unserer Werke geben. …
Der lebendige und Fleisch gewordene Gott ist nicht weit von uns Er ist nicht außerhalb der greifbaren Sphäre. Er erwartet uns vielmehr jederzeit im Handeln, im Werk des Augenblickes.

Jedes Wachstum

Jedes Wachstum, das ich mir selbst oder den Dingen verschaffe, vermehrt meine Kraft zu lieben und bedeutet einen Fortschritt in der glückseligen Besitznahme des Universums durch Christus. …
Durch die Wahrheit vollenden wir in uns das Subjekt der göttlichen Vereinigung und durch sie vergrößern wir auch in gewissem Sinne – in Bezug auf uns – das göttliche Ergebnis dieser Vereinigung, unsern Herrn Jesus Christus.

Prinzip universeller Lebenskraft

Die Welt schaffen, vollenden und entsühnen, so lesen wir bereits bei Paulus und Johannes, ist für Gott die Einigung der Welt in einer organischen Vereinigung mit sich selbst. … Als Prinzip universeller Lebenskraft hat Christus, indem er als Mensch unter Menschen erstanden ist, seine Stellung eingenommen, und er ist seit je dabei, den allgemeinen Aufstieg des Bewusstseins, in den er sich hineingestellt hat, unter sich zu beugen, zu reinigen, zu leiten und aufs Höchste zu beseelen.

 

Pierre Teilhard de Chardin

Pierre Teilhard de Chardin (1881 – 19559 trat als Achtzehnjähriger dem Jesuitenorden bei und begann 1912 ein Studium der Geologie und Paläontologie in Paris. Er unternahm Forschungsreisen nach Asien, Indien, auf die Insel Java und nach Birma. 1956 kehrte er nach Frankreich zurück.
Teilhards Anliegen war, Religion und Naturwissenschaft nicht als Konkurrenten zu sehen, sondern zusammen zu denken. In dem Versuch, die Fülle seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zu einem Gesamtbild zusammenzufügen, gelangte er zu einer mystischen Schau, wie sie in den Schriften des Apostels Paulus sowie in den johanneischen Schriften grundgelegt ist. Besonders in seinem Spätwerk enthüllt Teilhard de Chardin ein Bild des transpersonalen kosmischen Christus, in dem die „Fülle der Gottheit leibhaftig“ wohnt.