Des Menschen Ziel

Der Mensch ist geschaffen, Gott den Herrn, zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen und so sein Heil zu wirken. Alles übrige auf Erden ist für den Menschen da, damit es ihm behilflich sei in der Erreichung seines Lebenszieles. Daraus folgt, dass es der Mensch dafür gebrauchen soll, und zwar insoweit, als es ihn zu seinem Ziele fördert, während er umgekehrt insoweit sich davon enthalten muss, als es ihn hemmt.

Demgemäß müssen wir uns gegenüber aller Kreatur in eine Seelenhaltung innerer Freiheit bringen, im ganzen Bereich, worüber unser freier Wille zu verfügen hat, und was uns nicht verboten ist, so dass wir etwa, soviel an uns liegt, Gesundheit nicht wollen vor Krankheit, Reichtum nicht vor Armut, Ehre nicht vor Unehre, langes Leben nicht vor kurzem Leben bezüglich aller sittlich indifferenten Dinge.

Nur eines müssen wir wünschen und wählen: was uns mehr zum letzten Ziele fördert, für das wir geschaffen sind.

(Exerzitien)

Gebet und Arbeit

Wenn Menschen sozusagen aus sich selbst ausgehen, um ganz in ihren Schöpfer und Herrn einzugehen, so werden sie in heiligem Trost und steter Sammlung inne, wie unser ewiges, höchstes Gut in allem wohnt, was da geschaffen ist, durch sein unendliches Sein und Wirken allen Dasein und Erhaltung spendend.
Ein solcher wird in vielen Dingen geistliche Erhebung finden. Wer Gott aus ganzer Seele liebt, den fördert alles in der Andacht, sodass er immer mehr gewinnt und zu stets innigerer Liebeseinigung mit seinem Schöpfer und Herrn emporsteigt. Dabei ist allerdings richtig, dass das Geschöpfliche in uns nicht selten dem Wirken Gottes in der Seele hinderlich entgegentritt. (…)

Im allgemeinen (…) halte ich es für besser, dass man in allen Dingen Gott zu finden trachte, als dass man viel zusammenhängende Zeit auf das Gebet verwende. Man soll soweit als möglich nicht weniger Andacht in jedem beliebigen Werk der Liebe und des Gehorsams zu finden sich bemühen, als in Gebet und Betrachtung, indem man alles aus Liebe tut zu Gott und für seinen heiligen Dienst.

Man soll sich also darin üben, Gottes Gegenwart in allen Dingen zu suchen, im Gehen, Sehen, Schmecken, Hören, Denken, überhaupt in allem, was man tut.
Ist doch Gottes Sein in allen Dingen, durch Gegenwart, Wirken und Wesen.


(Briefe)

 

Ignatius von Loyola

Der baskische Adelige Ignatius von Loyola (1491 – 1555) wurde in einem Kampf gegen die Franzosen schwer verwundet. In der lang andauernden Genesungsphase erfuhr er eine grundlegende Wandlung, die ihn zur Abkehr vom weltlichen Leben bewog.
Das Städtchen Manresa, wo er sich als Pilger nach Barcelona nur ein paar Tage ausruhen wollte, wurde für ihn zum Ort der Begegnung mit Gott. Dort machte er jene Erfahrungen, die er im Exerzitienbuch festhielt, um sie auch für andere Menschen fruchtbar zu machen.
Nach einer Wallfahrt ins heilige Land studierte er in Barcelona, Alcalá, Salamanca und Paris und entwickelte bald den Plan einer Ordensstiftung. 1537 empfing er die Priesterweihe. Im Jahr darauf wurde sein Jesuitenorden bestätigt und Ignatius zum Generaloberen gewählt.
Sein beeindruckendes schriftliches Werk („Exerzitien“, Konstitutionen, Mystisches Tagebuch, Briefe, Autobiografie) hat die Gestalt der Kirche wesentlich mit- und umgeprägt. Seine Idee der Weltmission führte die Jesuiten bis nach Japan.