Zeig du den Weg

Freundliches Licht,
um mich ist Finsternis:
Zeig du den Weg!
Zweifel in mir,
die Zukunft ungewiss:
Zeig du den Weg.
Nur einen Schritt!
Ich frage nicht nach mehr.
So führ mich heim,
und leuchte vor mir her.
Nicht immer hab ich
so zu dir gefleht:
Zeig du den Weg!
Ich wählte selbst den Pfad,
der abseits geht.
Zeig du den Weg.
Denn Stolz und Ängste
hatten mich gelenkt.
Vergib: Ich habe Jahr um Jahr
verschenkt.
Dein Segen blieb mir treu
auch in der Nacht und in Gefahr,
und hart am Abgrund
hast du mich bewacht:
Nun seh‘ ich klar.
Im Morgenglanz lacht mir
dein Engel zu.
Mein Schmerz und meine Liebe,
Gott, bist du.

 

John Henry Newman

1801 geboren in London, aus großbürgerlichem Hause, fundierte Schulbildung, mit 21 Jahren Universitätslehrer, mit 24 Jahren Weihe zum Priester der Church of England; 8 Jahre Vikar und Prediger an der Uni-Kirche von Oxford. 1832/33 eine Mittelmeerreise mit Freunden, wo er schwer erkrankte. In dieser Zeit schrieb er Briefe und Gedichte, das bekannteste „Zeig du den Weg“.
Nach der Rückkehr studierte Newman intensiv die Kirchenväter. Immer mehr wuchs in ihm die Überzeugung, dass nur die katholische Kirche in der apostolischen Tradition stehe.
1845 Zurücklegen aller Ämter und Übertritt in die katholische Kirche.
Von der anglikanischen Kirche geschmäht und von der katholischen Kirche unverstanden, ging er einsam seinen Weg.

päte Anerkennung seines Wirkens und seiner Person im Jahr 1884 durch Papst Leo XIII, der ihn zum Kardinal erhob. Newman starb am 11.8.1890. Im September 2010 wurde Newman von Papst Benedikt XVI. selig gesprochen.