Die längste Reise

Die längste Reise ist die Reise nach innen.
Wer sein Los gewählt hat, wer die Fahrt begann zu seiner eigenen Tiefe –
noch unter euch, ist er außerhalb der Gemeinschaft,
abgesondert in eurem Gefühl gleich einem Sterbenden oder wie einer,
den der nahende Abschied vorzeitig weiht
zu jeglicher Menschen unendlicher Einsamkeit.

Gott, du bist lebendig

Gott, du bist lebendig, du bist in mir. Du bist hier, du bist jetzt.
Du bist.
Du bist der Grund meines Seins. Ich lasse los.
Ich sinke und versinke in dir.
Du überflutest mein Wesen. Du nimmst von mir Besitz.
Ich lasse meinen Atem zu diesem Gebet der Unterwerfung unter dich werden.
Mein Atem, mein Ein- und Ausatmen ist Ausdruck meines ganzen Wesens.
Ich tue es für dich
– mit dir – in dir.
Wir atmen miteinander …

Das Beste und Schönste

Das Beste und Schönste, wozu man in diesem Leben gelangen mag,
ist, dass du schweigst
und Gott wirken
und sprechen lässt.

Deine Einsamkeit

Bete, dass deine Einsamkeit der Stachel werde, etwas zu finden, wofür du leben kannst, und groß genug, um dafür zu sterben.

 

Dag Hammarskjöld

Geboren 1905, als der jüngste Sohn des schwedischen Premierministers Hjalmar Hammarskjöld. Nach einer glänzend abgeschlossenen Schulzeit studierte er  Rechts- und Wirtschaftswissenschaft  sowie Philosophie und habilitierte sich an den Universitäten Uppsala und Stockholm. 1953 wurde er zum Generalsekretär der Vereinten Nationen ernannt. Er starb in der Nacht auf den 18. September 1961, bei einem ungeklärten Flugzeugabsturz seines UN-Flugzeuges, unterwegs in geheimer Friedenmission. 1961 wurde ihm postum der Friedensnobelpreis verliehen. Dag Hammarskjöld hinterließ als Vermächtnis ein vielbeachtetes spirituelles Tagebuch (dt. Erstausgabe „Zeichen am Weg“, 1963), in dem er seit dem zwanzigsten Geburtstag seine Gedanken notierte, und das sich als die Innenseite dessen lesen lässt, was auf der Weltbühne real passierte. Seine Gedanken und Aufzeichnungen bilden ein Netzwerk biblischer und mystischer Bezüge und zeigen eine erstaunliche Offenheit für den Reichtum der Weltreligionen. Hammarskjöld selbst bezeichnete sein Tagebuch in Diplomatensprache als „eine Art Weißbuch meiner Verhandlungen mit mir selbst – und mit Gott“.