Advent

Erneut beginnen wir die Adventszeit. Zeit der Innerlichkeit, die uns noch von Weihnachten trennt. Welch wunderbares Geheimnis!
Jeden Augenblick staunend in der Gegenwart des unsichtbaren, aber doch so nahen Gottes verweilen …

Heilige Maria, heiliger Joseph, meine Mutter und mein Vater, ich möchte
euch so gut wie möglich nachahmen. Helft mir, euch ähnlich zu werden,
indem ich diesen Advent mit euch verbringe,
teilhabe an eurer Liebe, eurer Kontemplation, eurer Selbstvergessenheit:
ganz leer von euch selbst und von Jesus ganz erfüllt,
eurer vollkommenen Armut,
eurer begeisterten Dankbarkeit,
eurem Gehorsam:
Gott darbringend, was Gott gehört, das heißt,
alles.

Für euch geboren

Ich bin geboren,
ich bin für euch geboren,
ich bin in der Kälte geboren,
in einer Grotte,
verlassen,
ganz ohne Nichts,
mitten in einer Winternacht,
in einer Armut, die auch den Ärmsten fremd ist,
in totaler Zurückgezogenheit
und einer Verlassenheit, die es nirgendwo anders gibt in der Welt.

Was möchte ich euch mit dieser Geburt zeigen, mein Kinder?
Dass ich euch so grenzenlos liebe, dass ihr an meine Liebe glauben könnt.

Ich habe mein Herz an Jesus von Nazaret verloren

Ich habe mein Herz an Jesus von Nazaret verloren. Er wurde vor 1900 Jahren gekreuzigt, und ich versuche ihn nachzuahmen, soweit meine Schwachheit mir dies erlaubt.

Gebet der Hingabe

Mein Vater,
ich überlasse mich dir.
Mach mit mir, was dir gefällt.
Was du auch mit mir tun magst,
ich danke dir.
Zu allem bin ich bereit,
alles nehme ich an,
wenn nur dein Wille sich an mir erfüllt
und an allen deinen Geschöpfen,
so ersehne ich weiter nichts,
mein Gott.

In deine Hände lege ich meine Seele,
ich gebe sie dir, mein Gott,
mit der ganzen Liebe meines Herzens,
weil ich dich liebe,
und weil
diese Liebe mich treibt,
mich dir hinzugeben,
mich in deine Hände zu legen,
ohne Maß
mit einem grenzenlosen Vertrauen,
denn du bist mein Vater.


Literatur: Jürgen Rintelen: Der das Leben suchte. Die vielen Schritte des Charles de Foucauld, Echter 2005

 

Charles de Foucauld

Geboren 1858 in Straßburg als Kind einer reichen Adelsfamilie und früh verwaist. Zunächst Offizierslaufbahn bei der Armee; 1881 kämpft er in Algerien. Die Begegnung mit dem Islam lässt ihn über die Wahrheit der Religionen nachdenken.
Zurück in Paris, findet er in Abbé Huvelin einen väterlichen Freund und Seelenführer. Er beschließt, ein christliches Leben zu führen.
1890 Eintritt in das Trappistenkloster Notre-Dame des Neiges.
Aufenthalt in Nazaret, wo er dem verborgenen Leben Jesu in Nazaret nachspürt.
1901 Priesterweihe.
Danach errichtet er in Tamanrasset, Algerien, unter dem Volk der Tuareg eine Einsiedelei, mit dem Ziel, eine Gemeinschaft zu gründen. Doch erst nach seinem Tod folgen die „Kleinen Brüder und Schwestern“ seinem Beispiel.
1916, inmitten der Wirren des Ersten Weltkrieges, wird Charles de Foucauld von Aufständischen ermordet.